CIRCULAR ECONOMY – Cradle-to-Cradle soll Stellantis zwei Milliarden bringen

Circular Economy – Zumindest bei Ersatzteilen feiert der „Auto-Schrottplatz“ im Rahmen des Klimawandels, knapper werdender Ressourcen und angespannter Lieferketten eine Renaissance. (Foto: Stephan Wengelinski / www.pixelio.de)
Circular Economy – Zumindest bei Ersatzteilen feiert der „Auto-Schrottplatz“ im Rahmen des Klimawandels, knapper werdender Ressourcen und angespannter Lieferketten eine Renaissance. (Foto: Stephan Wengelinski / www.pixelio.de)

Circular Economy soll künftig eine wichtige Rolle beim Automobil-Giganten Stellantis spielen. Hierfür hat der Automobilkonzern eine eigene Business-Unit gegründet: Damit möchte man bis 2038 Netto-Null-CO2-Emissionen erreichen. Mit dem „Cradle-to-Cradle“-Geschäftsmodell soll bis 2030 im Rahmen des Strategieplans „Dare Forward 2030“ ein Umsatz von über zwei Milliarden Euro erzielt werden. Die neue Business-Unit will unter dem dafür eigens kreierten SUSTAINera-Label dabei vor allem Transparenz über Material- und CO2-Einsparungen schaffen.

Der „Auto-Schrottplatz“ feiert im Rahmen des Klimawandels, knapper werdender Ressourcen und angespannter Lieferketten eine Renaissance; zumindest bei wieder verwertbaren Ersatzteilen. War dieser eher schmuddelige Bereich der Automobilwirtschaft in den letzten Jahrzehnten eher passionierten Autoschraubern und Selfmade-Freaks vorbehalten, entdecken die OEMs zunehmend die Circular Economy als Geschäftsmodell für sich wieder.

Circular Economy – Ein sauberes Geschäft

Nutzfahrzeug-Bauer Renault Trucks läutete bereits im Jahr 2020 bei sich die Circular Economy-Aera ein. Ziel der Franzosen ist es, vor allem gebrauchte, ältere LKW oder 3,5-Tonner wieder aufzupimpen und sie wieder für den Verkehr in Europa wieder zu ertüchtigen oder nahezu neuwertig in Märkte zu verkaufen, welche sich Euro-5- oder Euro-6-Fahrzeuge nicht leisten können. So hat man in seinem Werk in Bourg-en-Bresse in der Region Auvergne-Rhone-Alpes im Osten Frankreichs eine auf die Umrüstung von Gebrauchtfahrzeugen spezialisierte Werkstatt eingerichtet: die “Used Trucks Factory”. Hier werden vor allem Renault Trucks T-Sattelzugmaschinen in Träger-Fahrgestelle umgewandelt, die sogenannten Renault Trucks P-Road. Fernverkehrs-Lkw werden so zu Baustellen- und Zubringerfahrzeugen (Renault Trucks T X-Road). In Bourg-en-Bresse werden die gebrauchten Trucks der Euro-6-Klasse aber auch für die Märkte in Afrika und im Nahen Osten nach Euro 3 zertifiziert. (wir berichteten auf blogistic.net)

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Stellantis zieht bei Circular Economy nach

Automobil-Gigant Stellantis mit Sitz in den Niederlanden zieht nun nach und hat am 11. Oktober einen umfassenden Plan für eine Circular Economy Business Unit angekündigt. Die neue Geschäftseinheit soll bis 2030 einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro erzielen und das ehrgeizige Ziel des Unternehmens vorantreiben, bis 2038 Netto-Null-CO2-Emissionen zu erreichen. Als einer der sieben Geschäftsbereiche, die im Strategieplan Dare Forward 2030 angekündigt wurden, erweitert die Circular Economy Business Unit ihren konsequenten 360-Grad-Ansatz, der auf der 4R-Strategie – Reman (Remanufacturing), Repair, Reuse und Recycle – basiert.

A. Jones – „Wollen integriertes Ökosystem schaffen…“

„Stellantis treibt in allen Märkten, in denen wir tätig sind, den Aufbau eines nachhaltigen und rentablen Geschäfts auf den Grundsätzen der Circular Economy voran“, sagte Alison Jones, Stellantis Senior Vice President, Circular Economy Business Unit gegenüber den Medien. „Wir haben erfahrene Kolleginnen und Kollegen und zuverlässige Partner, die unsere aktuellen Aufgaben bewältigen. Mit unserem 4R-Mindset haben wir nun auch begonnen, unsere Kapazitäten, Teams und Einrichtungen konsequent auszubauen und ein intelligentes, integriertes Ökosystem zu schaffen, um die Materialknappheit besser zu bewältigen und unser Ziel der Kohlenstoff-Neutralität zu erreichen.“

Cradle-to-Cradle – Die maximal mögliche Verlängerung der Lebensdauer

Circular Economy – Reman: Abgenutzte, verschlissene oder defekte Teile werden in diesem Bereich komplett zerlegt, gereinigt und nach OEM-Spezifikationen wieder zusammengebaut. (Foto: Marlies Schwarzin / www.pixelio.de)
Circular Economy – Reman: Abgenutzte, verschlissene oder defekte Teile werden in diesem Bereich komplett zerlegt, gereinigt und nach OEM-Spezifikationen wieder zusammengebaut. (Foto: Marlies Schwarzin / www.pixelio.de)

Hauptziele der Circular Economy Business Unit von Stellantis sind die maximal mögliche Verlängerung der Lebensdauer von Fahrzeugen und Ersatzteilen sowie die Rückführung von Materialien und Altfahrzeugen in den Produktionskreislauf für neue Fahrzeuge und Produkte. Diese Methodik ergänzt die Grundsätze des „Designs für die Circular Economy“ auch rund um den neuen Citroën ‚oli’ [all-ë], einem vielseitig einsetzbaren konzeptionellen Familienfahrzeug, bei dem leichte und recycelte Materialien, nachhaltige Produktionsprozesse, Erschwinglichkeit, Langlebigkeit für eine verlängerte Nutzungsdauer und verantwortungsbewusste Recyclingfähigkeit am Ende der Nutzungsdauer im Mittelpunkt stehen.

Die 4R-Strategie der Circular Economy

Stellantis hat ein umfassendes 360-Grad-Geschäftsmodell entwickelt, das auf der 4R-Strategie basiert: Reman, Repair, Reuse und Recycle. Es handelt sich um ein integriertes Ökosystem, das für die Erhaltung und den Schutz der Ressourcen unseres Planeten unerlässlich ist.

Reman (Remanufacturing, Wiederaufbereitung)

Abgenutzte, verschlissene oder defekte Teile werden in diesem Bereich komplett zerlegt, gereinigt und nach OEM-Spezifikationen wieder zusammengebaut. Nahezu 12.000 Ersatzteile aus 40 Produktlinien, einschließlich Batterien für Elektrofahrzeuge, sind hier verfügbar.

Repair (Reparatur)

Verschlissene Teile werden in diesem Segment von Cradle-to-Cradle repariert und wieder in die Fahrzeuge der Fahrzeugnutzer:innen eingebaut. An 21 Standorten auf der ganzen Welt arbeiten die E-Reparaturzentren an Batterien für Elektrofahrzeuge.

Reuse (Wiederverwendung)

Rund 4,5 Millionen Ersatzteile diverser Marken aus dem Bestand, die sich noch in gutem Zustand befinden, werden aus Altfahrzeugen zurückgewonnen und in 155 Ländern über die E-Commerce-Plattform B-Parts verkauft.

Recycle (Recycling)

Produktionsabfälle und Altfahrzeuge werden in den Herstellungsprozess zurückgeführt. In nur sechs Monaten hat der Geschäftsbereich die Marke von einer Million recycelter Teile erreicht, so der Stellantis-Plan.

Zentren werden um „lokale Kreisläufe“ ergänzt

Der Plan der Circular Economy Business Unit von Stellantis sieht eine deutliche Steigerung des Volumens und die Expansion in neue Länder vor. Dabei werden fortlaufende Innovationen und Umschulungen auf neue Technologien jederzeit gewährleistet. Wie im vergangenen Monat bereits angekündigt, wird der Automobilbauer sein größtes Circular Economy Zentrum im Jahr 2023 am Standort Mirafiori in Italien eröffnen. Dies soll dann die Ausweitung der Cradle-to-Cradle Aktivitäten des Konzerns ermöglichen und das europaweite „Cradle-to-Cradle“-Geschäftsmodell unterstützen.

Mirafiori – Stelantis-Zentrum für Circular Economy

Circular Economy – Repair: Verschlissene Teile werden in diesem Segment von Cradle-to-Cradle repariert und wieder in die Fahrzeuge der Fahrzeugnutzer:innen eingebaut. (Foto: : Marlies Schwarzin / www.pixelio.de)
Circular Economy – Repair: Verschlissene Teile werden in diesem Segment von Cradle-to-Cradle repariert und wieder in die Fahrzeuge der Fahrzeugnutzer:innen eingebaut. (Foto: : Marlies Schwarzin / www.pixelio.de)

Das Zentrum in Mirafiori beherbergt die Aufarbeitung und Demontage von Fahrzeugen sowie die Wiederaufbereitung von Ersatzteilen. Die globale Expansion von hier aus ist geplant. Die Ziele des Geschäftsbereichs werden zudem durch die im Jahr 2016 erfolgte Übernahme von Aramis ergänzt, einem europäischen Marktführer im Online-An- und Verkauf von Gebrauchtwagen diverser Marken, der (bis Jahresende) über sieben eigene 4R-Zentren verfügen wird, strategisch verteilt über West- und Zentraleuropa.

Von lokal zu global

Zusätzlich zu den Zentren für Circular Economy wird der Geschäftsbereich „lokale Kreisläufe“ nutzen, um Produkte und Materialien innerhalb von Landesgrenzen zu bewegen und so die Lieferungen an die Werkstätten zu beschleunigen. In Brasilien werden wichtige Ersatzteile, z. B. Anlasser und Lichtmaschinen von Fahrzeugen der Stellantis-Marken, wiederaufbereitet, vertrieben und über ca. 1.000 lokale Händler verkauft − was die Philosophie der Circular Economy und das Streben nach Kohlenstoff-Neutralität unterstützt. Dies baut auf den Kompetenzen des Unternehmens auf und ist ein weiterer wichtiger Schritt bei der Umsetzung des strategischen Plans für die Circular Economy Business Unit von Stellantis, der darauf abzielt, die Einnahmen aus der verlängerten Lebensdauer von Ersatzteilen und Dienstleistungen zu vervierfachen und die Recycling-Einnahmen bis 2030 im Vergleich zu 2021 zu verzehnfachen.

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Einführung von SUSTAINera

Mit der Ausweitung der Aktivitäten im Bereich der Circular Economy führt der neue Geschäftsbereich auch sein SUSTAINera-Label für Ersatzteile und Zubehör ein. Im Vergleich zu Neuteilen bringt das dem Konzern nach eigenen Aussagen eine Material- bzw. Energieeinsparung von bis zu 80 bzw. 50 Prozent im Vergleich zu entsprechenden Neuteilen. Die Werte werden durch eine Lebenszyklusanalyse des entsprechenden Bestsellers in jeder Produktfamilie nach einer von dem unabhängigen Unternehmen Sphera geprüften Methodik ermittelt. „Das SUSTAINera-Label steht für unser Versprechen, nachhaltige, transparente und erschwingliche Produkte und Dienstleistungen für alle Fahrzeugmarken anzubieten, ohne dabei Kompromisse bei der Qualität einzugehen, und gleichzeitig die Umwelt durch weniger Abfall und einen geringeren Verbrauch der Ressourcen unseres Planeten zu schützen“, sagte A. Jones hierzu. – Das SUSTAINera-Label wurde übrigens aus Hunderten von Vorschlägen der Stellantis-Mitarbeiter:innen ausgewählt und verkörpert auch in dieser Hinsicht einen der Kernwerte des Konzerns.

Stellantis in Kürze

Stellantis ist einer der weltweit führenden Automobilkonzerne und ein Mobilitätsanbieter. Die traditionsreichen, ikonischen Marken sollen hier die Leidenschaft ihrer visionären Gründer symbolisieren. Dazu gehören etwa Abarth, Alfa Romeo, Chrysler, Citroën, Dodge, DS Automobiles, Fiat, Jeep, Lancia, Maserati, Opel, Peugeot, Ram, Vauxhall, Free2move und Leasys.

stellantis.com

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