BUYER’S GUIDE – Automations-Beschaffung leichter gemacht

Buyer’s Guide – Ein neues Konzept für die effiziente Beschaffung von Logistik-Automations-Technologien, das CargoForwarder Global zuerst vorgestellt wurde, führt den Einkäufer durch den Dschungel der vielfältigen Angebote von Lagerautomatisierungslösungen am Markt. Der Guide veranschaulicht auch, welche Kriterien am besten zu den spezifischen Bedürfnissen eines Käufers passen. Wir sprachen mit dem Erfinder des Tools: Olaf Oczkos, Herausgeber von blogistic.net-Partner LogistikNachrichten und den Palettenreport. Durch das Gespräch führte Heiner Siegmund (*).  

O. Oczkos - “In unserem Buyer's Guide beugen wir Fehlern nicht automatisch vor. Wir sagen, wie viel das System kosten wird, wie viel Platz es benötigen wird und wie lange es dauert, bis sich eine angemessene Investition amortisiert.” (Foto: LogistikNachrichten / RS MEDIA WORLD archive)
O. Oczkos – “In unserem Buyer’s Guide beugen wir Fehlern nicht automatisch vor. Wir sagen, wie viel das System kosten wird, wie viel Platz es benötigen wird und wie lange es dauert, bis sich eine angemessene Investition amortisiert.” (Foto: LogistikNachrichten / RS MEDIA WORLD archive)

(Anm. D.Red.: Der im Interview verwendete Begriff „Anbieter von Automatisierungslösungen“ ist in der Branche besser bekannt als „Systemintegratoren“. Hier geht es zum Buyer’s Guide Leitfaden.) 

Buyer’s Guide schafft Transparenz 

blogistic.net – Sie haben gerade den Buyer’s Guide to Warehouse Automation veröffentlicht. Bitte erläutern Sie uns doch einmal das Konzept und wie es sich von der aktuellen Lagerlandschaft unterscheidet.

O. Oczkos – Das Konzept ist sehr einfach: Wir wollen den Einkäufern helfen, sich auf Lösungen zu konzentrieren, die für den Kunden sinnvoll sind. Als neutrale Intralogistik-Experten vergleichen wir dabei beispielsweise typische manuelle Lager mit zahlreichen Automatisierungslösungen, die in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern und den USA verfügbar sind. Die Lösungen, die wir vergleichen, sind für Behälter, nicht für Paletten.

blogistic.net – Warum gerade jetzt einen solchen Buyer’s Guide? Was ist der Nutzen?

O. Oczkos – Wir haben festgestellt, dass Kunden verunsichert sind, wenn es darum geht, Lagerautomatisierung einzukaufen. Anbieter von Automatisierungslösungen loben die meisten ihre eigenen Lösungen “über den Klee”, wie man so sagt. Das Problem für den Einkäufer: Wenn Kunden mit zehn von ihnen sprechen, behauptet jedes Unternehmen mehr oder weniger dasselbe: „Kaufe meine Sachen, dann wird alles gut“, ohne jedoch eine Awareness zu haben, ob das so stimmt. Dank des veröffentlichten Buyer’s Guide können Einkäufer jedoch nun innerhalb von zehn Tagen einen individuellen, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Bericht erhalten. Der Bericht enthält die ungefähren Kosten für die Lagerautomatisierung, die vorgeschlagenen Lösungen und die Amortisationszeit. Das schafft Transparenz.

O. Oczkos – “Wir stehen mit unserem Buyer’s Guide auf keiner Payroll”

blogistic.net – Wie schaffen Sie es, kundenzentrierte Angebote zu generieren?

O. Oczkos – Anbieter von Automatisierungslösungen haben immer ein gesteigertes Eigeninteresse daran, ihre Automatisierung zu verkaufen. So läuft eben das Business. Da wir jedoch bei keinem der Anbieter solcher Automatisierungslösungen auf der Payroll stehen, können wir durch die Eingabe einiger Kennzahlen objektiv die richtigen Lösungen ermitteln.  Lagerautomatisierung ist nämlich keine Kunst, sondern letztlich eine Wissenschaft, bei der es auch um viele Zahlen geht. Und Zahlen lügen nicht. Am Ende ist es also “nur” Mathematik. Der Buyer’s Guide kann hier gleich mehrere Kennzahlen sehr schnell ermitteln, weil wir ein spezielles Vergleichstool haben. Der Kundennutzen ist, dass wir wesentlich günstiger sind als die Beauftragung eines Lagerplaners, der im Vergleich zu unserem Ansatz mehr Zeit benötigt, um eine passende Lösung zu finden.

blogistic.net – Von welchen Zeitintervallen sprechen Sie da?

O. Oczkos – Auf der LogiMAT 2024 in Stuttgart haben wir mit mehreren Lagerplanern gesprochen, die uns erklärten, dass sie mindestens sechs bis neun Monate benötigen, um ihren Kunden mitzuteilen, welche Automatisierung für sie adäquat sind. Ich muss an dieser Stelle allerdings betonen, dass wir den Lagerplaner nicht aus der Lagerautomatisierungslandschaft eliminieren wollen. Im Gegenteil. Wir wollen aber, dass sie sich auf zwei bis drei Lösungen konzentrieren, die wir bereits identifiziert haben, und nicht auf zehn oder zwölf, die sie normalerweise analysieren. Der Buyer’s Guide for Warehouse Automation ist also ein vorqualifizierendes Tool. Dieses Konzept ermöglicht es den Kunden, den Entscheidungsprozess zu beschleunigen und tragfähige Lösungen aufzuzeigen.

blogistic.net – Es braucht viel Geld, um den Lagerbetrieb zu automatisieren. Und die Amortisationszeit ist lang. Es ist daher verständlich, dass Unternehmen bei diesem Thema zurückhaltend sind und ihre Arbeit lieber so weitermachen wie bisher. Sie scheuen die Ausgaben. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Buyer’s Guide – “Sein oder Nicht-Sein?”

O. Oczkos – Das kann man nicht pauschalieren und hängt von jedem einzelnen Kunden ab. Der allgemeine Trend in Deutschland oder anderen Hochlohnländern geht jedoch dahin, den Lagerbetrieb zu automatisieren, denn das ist der Schlüssel, um volatile Volumina zu bewältigen. Wenn es die Entscheider nicht ohnehin schon längst tun, sollte sich jedes Unternehmen die Hamlet’sche Frage stellen: “Sein oder Nicht-Sein?” bzw. Auf die Intralogistik bezogen: „Automatisieren oder nicht automatisieren?“ – Genau hier kann unser Buyer’s Guide hilfreich sein, um herauszufinden, wie sie automatisieren können.

blogistic.net – Geben Sie unseren Leser:innen ein konkretes Beispiel, … , etwa aus der Transportbranche.

O. Oczkos – Gerne! Viele 3PL-Kontraktlogistiker arbeiten in der Regel mit 3- bis 5-Jahres-Verträgen und investieren daher nur ungern in die Lagerautomatisierung. Stattdessen „lösen“ sie ihre Probleme, wie sie etwa bei steigenden Volumina auftreten können, indem sie mehr Personal einstellen. Lagerarbeiter sind jedoch rar und diejenigen, die verfügbar sind, machen Fehler bei der Kommissionierung. Ein Kommissionierfehler etwa bei Luftfracht kostet um den Faktor 100 mehr als im Landverkehr. Dort ist man zwar über Kommissionierfehler auch nicht erfreut, aber eine Falschlieferung kann am nächsten Tag zurückgegeben werden. Wir veranschaulichen hierfür drei reale Szenarien mit einer Amortisationszeit von 3, 2 und 1,1 Jahren. Bei der Analyse versuchen wir, uns von dem Mythos zu befreien, dass Lagerautomatisierung teuer ist. Ein häufig wiederholtes Argument ist nämlich, dass Unternehmen fünf bis acht Jahre warten müssen, um einen Return on Investment (ROI) zu sehen. Deshalb ist es so wichtig, den Kunden über die heutigen Möglichkeiten der Lagerautomatisierung aufzuklären.

Buyer’s Guide – Daten, Daten, Daten

Buyer’s Guide – Das System ermittelt für den Anwender mit wenigen Klicks die Amortisationszeit einer Investition. (Grafik: LogistikNachrichten / RS MEDIA WORLD archive)
Buyer’s Guide – Das System ermittelt für den Anwender mit wenigen Klicks die Amortisationszeit einer Investition. (Grafik: LogistikNachrichten / RS MEDIA WORLD archive)

blogistic.net – Ihr Ansatz basiert auf der Verfügbarkeit von Daten. Wie erhalten Sie die Informationen und identifizieren Bereiche, in denen Verbesserungen im täglichen Betrieb möglich sind?

O. Oczkos – Niemand kennt sein Geschäft besser als der potenzielle Anwender einer Automatisationslösung selbst. Wir befragen ihn daher mit unserer selbst entwickelten SALT-Methode und ermitteln so, was er verbessern möchte: S-Pace, A-Progression, Labor, Throughput. Zusätzlich zu den Anfangsbuchstaben, aus denen sich das Akronym zusammensetzt, fragen wir den Kunden nach einigen harten Daten, wie z. B. Gebäudegröße, Behältergrößen und -gewichte, benötigte Lagerorte und gewünschte Systemleistung. Das nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, denn wir benötigen eigentlich nur bis zu zehn Daten, um unsere Aufgabe zu erfüllen.

Buyer’s Guide verhindert Gewissensbisse des Käufers

blogistic.net – Die Märkte sind nicht nur volatil, sondern heute kann kaum jemand über längere Zeiträume Wachstumsprognosen erstellen. Wie agieren Sie hier?

O. Oczkos – Das stimmt. Wir fragen dennoch nach den Wachstumsaussichten, denn jedes Unternehmen will wachsen und kann schon eine Einschätzung für die nächsten Jahre liefern. Das ist auch wichtig, denn Kunden, die ihr Volumenwachstum nicht berücksichtigen, kaufen am Ende die falsche Automatisierungstechnologie. Das wollen wir möglichst verhindern. Wenn wir zum Beispiel Unternehmen in den USA helfen, wo es unterschiedliche Arbeitsmärkte gibt, passen wir die Kosten für ein manuelles Lager mit den lokalen Löhnen für Lagerarbeiter und Aufsichtspersonal an. Jemand in Südkalifornien wird höhere Löhne verlangen als ein Arbeiter irgendwo im Mittleren Westen oder in Texas. Die gleiche Regel gilt für die Bauzinsen oder die Preise für den Kauf von Lagerhallen. Wir bieten dem Kunden individuelle Berichte an, so dass wir unsere Standardwerte verwenden oder die Werte vom Kunden übernehmen können, der besser weiß, wie hoch die lokalen Preise für Arbeit oder Gebäudemiete sind. 

Transparenz schaffen ist ein zentrales Ziel des Buer’s Guide

blogistic.net – Auf welche Hauptprozesse, die die Grundlage für die Leistung eines Lagers bilden, zielen Sie mit Ihrem Ansatz ab?

O. Oczkos – Die Lagerautomatisierung wird in der Branche ASRS genannt, was so viel wie „automatisierte Lager- und Bereitstellungssysteme“ bedeutet. Wie der Name schon sagt, sollen diese Systeme für Transparenz bei der Lagerung der Ware und der Abholung für den Versand sorgen. Sie decken hierbei die Bestellungen für Warenein- und Warenausgänge ab. Wenn ein Kunde also beispielsweise ein Lager mit Elektronik- oder Modeprodukten hat, muss zuerst die Ware entgegengenommen und gelagert werden. Die Ware wartet also darauf, bis jemand sie bestellt und sie kommissioniert werden muss. In einem manuellen Lager geht die Person zu den Waren und entnimmt sie aus dem Regal. In einem automatisierten Lager geht das eben automatisch und die Ware kommt zum Kommissionierer (Ware zur Person). In der Intralogistikbranche werden dafür unterschiedliche Leistungsbegriffe verwendet: Auftragszeilen pro Stunde oder Behälter pro Stunde. Dabei steht jedes Distributionszentrum oder Kommissionierlager individuelle Herausforderungen. Mit unserem Tool können wir nun helfen, die individuellen Engpässe zu identifizieren und – darauf basierende – Lösungsvorschläge ermitteln.

blogistic.net – Sind fehlende oder intransparente Informationen das größte Hindernis für die weitere Optimierung der intralogistischen Prozesse? Oder ist es menschliche Trägheit? Wie können diese Hürden überwunden werden, um die Leistungsfähigkeit eines Güterterminals auf ein höheres Niveau zu heben?

O. Oczkos – Das ist eine sehr gute Frage, denn die Kunden von heute geben Millionen für eine ausgeklügelte Lagerverwaltungssoftware aus und sind dennoch blind, wenn es um vollständige Daten geht. Ich habe noch nie einen Anwender getroffen, der perfekte Daten hatte. Ich habe auch Kunden getroffen, die Lagerarbeiter hatten, die sechs Monate brauchten, bis sie mit der Einrichtung vertraut waren. Während dieser Zeit leisteten diese Mitarbeiter unterdurchschnittliche Leistungen oder machten Fehler bei den Ein- und Auslagerungsprozessen.

Investitionen sind stets eine Frage der Amortisation

blogistic.net – Unter bestimmten Parametern erreichen Kunden eine Amortisation innerhalb eines Jahres. Was sind die Voraussetzungen dafür und inwiefern trägt die Automatisierung von Logistikprozessen dazu bei, dieses Ziel zu erreichen?

O. Oczkos – In unserem Buyer’s Guide präsentieren wir eine Standardlösung mit 400 Behältern pro Stunde als Basis. Darauf aufbauend zeigen wir, wie Automatisierungslösungen und ihre jeweiligen Amortisationszeiten sich ändern, wenn sich das Volumen beispielsweise auf 800 Behälter pro Stunde verdoppelt oder auf 1.600 Behälter pro Stunde vervierfacht. Diese drei Leistungsszenarien führen logischerweise zu unterschiedlichen Amortisationszeiten. Das kann man in unserem Tool abrufen. Bei der geringsten Leistung amortisiert sich das Investment nach drei Jahren. Im mittleren Szenario geschieht dies schon nach zwei Jahren und im Top-Level liegt die Amortisationszeit bereits bei einem Jahr. Diese Transparenz legt aber auch schonungslos offen, wie falsch Kunden in Bezug auf die Lagerautomatisierung liegen können bei Investitionen in der Vergangenheit. Wenn wir nun noch einmal zurückkehren zum 3PL-Kontraktlogistiker, dann kann hier das Ergebnis sein, dass Automatisierung für diesen nur dann interessant ist, wenn er einen Zehn-Jahres-Vertrag hat. Zahlen lügen nicht, deshalb eröffnen wir neue Wege für alle, die mit dem Schaufensterbummel aufhören wollen.

Automatisierung reduziert Fehler

Buyer’s Guide – Das neue Tool veranschaulicht mit guten Grafiken die Informationen, welche für den Einkauf von Lagerautomatisation nötig sind. (Grafik: LogistikNachrichten / RS MEDIA WORLD archive)
Buyer’s Guide – Das neue Tool veranschaulicht mit guten Grafiken die Informationen, welche für den Einkauf von Lagerautomatisation nötig sind. (Grafik: LogistikNachrichten / RS MEDIA WORLD archive)

blogistic.net – Ist Ihr Warehouse Automation Guide auch ein Beitrag zur Fehlervermeidung und beseitigt er, wenn er richtig praktiziert wird, Sicherheitsschwachstellen im Luftfrachtbetrieb?

O. Oczkos – In unserem Buyer’s Guide beugen wir Fehlern nicht automatisch vor. Wir sagen, wie viel das System kosten wird, wie viel Platz es benötigen wird und wie lange es dauert, bis sich eine angemessene Investition amortisiert. Im Vergleich zu manuellen Lagern weisen automatisierte Lager aufgrund höherer Genauigkeitsverbesserungen weniger Fehler auf. Das ist ein Bereich, den wir jedoch mit der Luftfrachtbranche erforschen möchten. Lassen Sie es mich erklären: Wenn ein Kommissionierer einen Fehler macht, indem er den falschen Artikel auswählt, löst dieses Paket eine Rücksendung ins Lager aus. Die Versand- und Bearbeitungskosten werden verdoppelt, was sich stark auf das Image des Unternehmens auswirkt. Artikel, die per Lufttransport nach Übersee transportiert werden, haben enorme Frachtkosten. Die Implementierung eines intelligenten Lagerautomatisierungssystems kann dazu beitragen, menschliche Fehler zu reduzieren.

Buyer’s Guide zeigt: Die Zeit spricht gegen manuelle Lösungen

blogistic.net – Wo haben Kunden einen operativen und monetären Vorteil, wenn sie ihre Lagerprozesse nach Ihren Empfehlungen organisieren?

O. Oczkos – Jeder Kunde kann mit unserem Bericht einen Vorher-Nachher-Vergleich mit oder ohne Lagerautomatisierung durchführen. Jede Automatisierung ist im Vergleich zu einem manuellen Lager lukrativ. Einige Automatisierungslösungen benötigen 1 Jahr, andere 6 Jahre. Am Ende spielt die Zeit gegen den manuellen Lagerbetrieb, weil er arbeitsintensiv und fehleranfällig ist. Ein Autoteilehändler benötigt ein anderes Lagerautomatisierungssystem mit viel mehr Lagerplätzen als ein Kunde aus der Modebranche. Warum? Denn Autoteile werden länger gelagert als T-Shirts, Hosen oder Jacken. Kurz gesagt, unser Bericht bietet eine Investitionskostenanalyse, eine Gesamtkostenanalyse und eine vergleichende Systemanalyse für Kunden aus allen Branchen, in denen eine Behälterlagerung erforderlich ist. Wir bieten jedem CEO oder VP Einblicke, um fundierte Entscheidungen auf der Grundlage seiner individuellen Geschäftsanforderungen treffen zu können.

blogistic.net – Olaf, vielen Dank für Ihre Zeit und diese Erklärungen.

(*Heiner Siegmund ist ein internationaler Wirtschaftsjournalist. Seine Schwerpunkte liegen dabei im Bereich der Luftfracht. Er ist Herausgeber des Magazins CargoForwarder Global.)

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