BLUE DANUBE – Logistik entlang des Flusses der Innovationen

Relikt aus besseren Tagen der Donauschifffahrt: Leuchtturm an der Mündung zum Schwarzen Meer. (Foto: Helga Ewert / www.pixelio.de)
Relikt aus besseren Tagen der Donauschifffahrt: Leuchtturm an der Mündung zum Schwarzen Meer. (Foto: Helga Ewert / www.pixelio.de)

Blue Danube – Mit 10 Anrainerstaaten ist die Donau einzigartig in der Welt. Für Logistiker ist das jedoch eine Herausforderung. Dabei müssen sie ihre Logistik systemisch denken. Nur wenige sind dem gewachsen – wie etwa Gebrüder Weiss. Das internationale Transport- und Logistikunternehmen erfindet sich entlang der Donau immer wieder neu. Mit laufenden Investitionen in Logistikanlagen, Personal und Digitalisierungsprojekte schreiben “die Orangen“ in Zentral-, Ost- und Südosteuropa daher eine Wachstumsgeschichte sondergleichen. Und das trotz schwieriger Bedingungen. (Ein Bericht von Joachim Horvath)

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Es gibt wohl kaum einen bekannteren Fluss in der Welt als die blaue Donau oder Blue Danube. Dazu dürfte nicht alleine nur der „Donau-Walzer“ von Johann Strauss beigetragen haben, der jährlich zum Neujahrskonzert aus dem Konzerthaus in die ganze Welt übertragen wird. Er trägt bis heute zur Mythenbildung rund um die Habsburg-Monarchie bei. Dabei wird jedoch vor der verklärten Idylle im Kopfkino gerne übersehen, dass dieser Fluss schon seit Jahrtausenden ein Verkehrsweg ist, auf dem ein reger Warenaustausch quer durch Europa gepflegt wird. Die Donau ist eine Lebensader quer durch Europa und verbindet seit jeher die Völker und Länder. Heute liegen 10 Länder entlang den 2857 Kilometer langen Gestaden des Flusses. Das sind so viele wie an keinem Fluss der Welt. Gemeint sind dabei Deutschland,  ÖsterreichSlowakei,  UngarnKroatienSerbienBulgarienRumänienMoldawien und die Ukraine. Umso erstaunlicher ist es, dass Blue Danube heute nicht intensiver als Verkehrsweg genutzt wird.       

Donauregion – Herausforderung, der nur wenige gewachsen sind

Andfreas Zwerger (Foto: GW-World)

Möglicherweise ist aber genau das für viele Unternehmen beispielsweise aus der Transportlogistik eine Herausforderung, verbunden mit der Nachkriegsgeschichte, welche die Nutzung des Stromes als Verkehrsweg nahezu zum erliegen brachte. Hinzu kam die Industrialisierung der Donauregion, welche mit dem 2. Weltkrieg jäh gestoppt wurde und erst mit dem Fall des „Eisernen Vorhanges“ wieder Fahrt aufnehmen konnte. Erschwerend kam hinzu, dass zur Zeit der sogenannten „Wende“ die Logistik-Infrastrukturen der Donauregion faktisch nicht mehr existent waren und bis heute mühsam aufgebaut werden müssen.

(Foto: Andreas Zwerger; GW-World)

Thomas Moser (Foto: Gebrüder Weiss)

Netzwerke mühsam aufbauen. Es gibt daher wenige österreichische Transport- und Logistikdienstleister mit einer durchgängigen Netzwerkstruktur in den Anrainerstaaten entlang der Donau. Zu ihnen zählt mit Gebrüder Weiss. Das Unternehmen mit einer Jahrhunderte langen Transporthistorie – es gilt als das älteste der Branche in der ganzen Welt – ist  ein Logistiker mit hohem Bekanntheitsgrad, auch in Zentraleuropa. Doch je größer das Unternehmen in Familienbesitz wird, umso mehr ist es auf die Akquise von Kunden aus weiter entfernten Weltregionen angewiesen. Die besondere lokale Stärke von Gebrüder Weiss in Zentral-, Ost- und Südosteuropa auch Unternehmen in Übersee zu vermitteln, ist daher von hoher Bedeutung.

(Foto: Thomas Moser; GW World)

Blue Danube und eine orange Logistik-Mission

Thomas Schauer (Foto: GW-World)

Deshalb wollen Andreas Zwerger als Leiter der Region Ost (Teile von Österreich, Slowakei, High-Tech-Logistiker tectraxx), Thomas Schauer als Leiter der Region Südost (Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro) und Thomas Moser als Leiter der Region Black Sea/CIS (Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Türkei, Ukraine, Russland, Georgien, Armenien, Kasachstan, Usbekistan) den Ruf von Gebrüder Weiss als der Top-CEE-Logistiker in die ganze Welt hinaustragen. Ginge das in Zeiten wie diesen so einfach, würde das Trio den Teilnehmern in persönlichen Gesprächen oder Videokonferenzen von einer leistungsfähigen Logistikgruppe mit 7.300 Mitarbeitenden an über 150 eigenen Standorten in über 35 Ländern mit zuletzt rund 1,7 Mrd. Euro Jahresumsatz erzählen, deren Geschichte im Transportwesen mehr als 500 Jahre zurückreicht.

(Foto: Thomas Schauer; GW World)

Auf Wachstumskurs. Transport entlang Blue Danube. In der Fiskalperiode 2019 transportierte Gebrüder Weiss 13,7 Millionen Sendungen im Landverkehr, rund 121.000 TEU Seefracht, 53.000 Tonnen Luftfracht und über die Beteiligung an DPD Austria etwa 52 Millionen Pakete. Das Angebot an Logistikflächen wächst stetig und liegt aktuell bei 700.000 m². Das Unternehmen ist schon lange Spezialist für die Steuerung von nationalen und grenzüberschreitenden Stückgutnetzen in Europa. In den letzten Jahren wurde das Engagement im Segment Luft-/Seefracht sowie im Bereich der kundenspezifischen Gesamtlösungen forciert. Wer will, bekommt ein einheitliches Servicepaket für alle Länder in Zentral-, Ost- und Südosteuropa.

Blue Danube – Service mehr gefragt denn je

Gebrüder Weiss erhebt den Anspruch, in allen Donau-Anrainerstaaten ein maßgeblicher Anbieter von Transport- und Logistikdienstleistungen zu sein. Man tut das unter anderem mit der Fokussierung auf Servicequalität, gestützt auf das Engagement der Mitarbeitenden. Sie machen in der Dienstleistungsbranche den Unterschied zu den Mitbewerbern aus. „Unser Team trägt und lebt die orange DNA“, sind sich Andreas Zwerger, Thomas Schauer und Thomas Moser einig. Als weiteres besonderes Merkmal erwähnen sie das stetige Streben nach Qualitätsführerschaft in Verbindung mit einer einheitlichen Prozesslogik über Ländergrenzen hinweg. Ist ein Kunde einmal in einem Land in die Gebrüder Weiss-Welt integriert, kann er die Vernetzung jederzeit auch auf weitere Regionen ausdehnen.

Convenience-Strategie. Vom strategischen Ansatz her betrachtet, versucht Gebrüder Weiss den Geschäftspartnern das Leben in den Bereichen Transport und Logistik so einfach wie möglich zu machen. Dabei gewinnt die Digitalisierung der Prozessketten immer mehr an Stellenwert. Jüngste Errungenschaft ist hier das kürzlich gestartete digitale Portal myGW. Es wurde gemeinsam mit den Kunden entwickelt und beinhaltet Services wie Auftragsbearbeitung, Sendungsverfolgung bis zur Estimated Time of Arrial (ETA) und Dokumentenmanagement. Den ersten Reaktionen der Anwender nach zu schließen, ist dem Logistikunternehmen damit ein großer Wurf gelungen. Es gibt bereits über 1.000 aktive Nutzer, Tendenz stark steigend. Mit myGW sind die Anwender auch gegenüber ihren Kunden schnell auskunftsfähig. Das ergibt einen doppelten Mehrwert.

Erfolgsrezept „Märkte erkennen“

Gebrüder Weiss Kroatien (Foto: GW World)
In Kroatien mit der neuen Logistikanlage in Zagreb hat sich der Personalstand in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. (Foto: GW World)

Vielen Weiter- und Neuentwicklungen bei Gebrüder Weiss liegt der enge Kontakt mit den Kunden und Geschäftspartnern zugrunde. Daraus entstehen neue Anforderungsprofile und anschließend die darauf ausgerichteten Servicekonzepte. So hat das Unternehmen frühzeitig den Trend hin zum Online-Handel erkannt und ein eigenes Netzwerk für Home Delivery geschaffen. In diesem Jahr wächst das Sendungsvolumen sowohl in Österreich als auch in Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Serbien und Rumänien deutlich zweistellig. Es ist ein Signal dafür, in den letzten Jahren vieles richtig gemacht zu haben. Und so wie es derzeit aussieht, wird der E-Commerce weiter stark wachsen.

Das kann nicht jeder. Aus der Sicht von Andreas Zwerger, Thomas Schauer und Thomas Moser verfügt Gebrüder Weiss über eine besonders kunden- und serviceorientierte Organisation, geprägt von schnellen Entscheidungsfindungen in Verbindung mit einer optimalen Investitionsfreudigkeit. In diesem Jahr wurden Firmenakquisitionen zur Stärkung der Position in der Luft-/Seefrachtspedition vollzogen, begleitet vom Aufbau eigener Strukturen in Südkorea, Australien und Neuseeland. Auch die Stärkung der Präsenz in den USA geht weiter. In Europa startete kürzlich das um 18 Mio. Euro errichtete Logistikterminal in Zagreb den Betrieb und befindet sich das mit einer Gesamtinvestition von 26 Mio. Euro budgetierte Speditionsterminal in Kalsdorf bei Graz in der Realisierung.

Es zahlt sich aus. „In Kroatien haben wir die Lagerfläche verdoppelt und sind schon wieder ausgelastet“, freut sich Thomas Schauer. Sein nächstes Ausbauprojekt dürfte in Ungarn kommen, wo die Logistikzentrale in Budapest mittelfristig eine Erweiterung um rund 8.000 m² Lagerfläche erhalten soll. In Senec bei Bratislava in der Slowakei wird aktuell ein Projekt zur Schaffung von 6.600 m² Umschlags- und Logistikfläche und 690 m² Bürofläche im Gesamtumfang von 6 Millionen Euro realisiert. In Bulgarien soll der Standort Sofia (Elin Pelin) um weitere 6.000 m² Umschlags- und Logistik- und 900 m2 Bürofläche wachsen. Das Logistikterminal in Sibiu, Rumänien, soll um 2.300 m² erweitert werden. In Rumänien beschäftigt Gebrüder Weiss aktuell 650 Mitarbeitende an 14 Standorten, die sich stark in den Bereichen Lagerlogistik, Home Delivery und internationale Verkehre für Stückgüter, Teil- und Komplettladungen engagieren. Die Landesorganisation in Serbien (225 Mitarbeiter) profitiert von den weiter voranschreitenden Industrieansiedlungen von ausländischen Investoren.

Donau – Schön aber wenig genutzt

Sowohl Andreas Zwerger als auch Thomas Schauer und Thomas Moser kennen aus ihrer Reisetätigkeit die wunderschönen Naturlandschaften entlang der Donau. Mit der Binnenschifffahrt kommt Gebrüder Weiss aber nur in Ausnahmefällen in Berührung. Die Wasserstraße deckt sich selten mit den Kundensegmenten und Produktlinien der internationalen Spedition. Normalerweise geht es im Tagesgeschäft um die schnelle Abwicklung von Palettensendungen und Sammelgut. Deshalb beschränkt sich das Engagement in der Donaulogistik auf Großprojekte und ganz schwere Stückgüter, wo sich die Binnenschifffahrt mangels Alternativen absolut bewährt.

gw-world.com


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