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„AR funktioniert nur in Kombinationen“

Augmented Reality kann in der Industrie nur in Kombination mit unterschiedlichen Systemen funktionieren. Das ist der Erfahrungshorizont von Mag. Jürgen Baumgartner, CEO des Wiener Systemintegrators und Softwareentwicklers B&M TRICON. Wohin dabei die Reise geht, darüber sprach er mit CR Hans-Joachim Schlobach.

Jürgen Baumgartner - AR-Interview
J. Baumgartner: „Eigentlich ist die Sache mit Augmented Reality aus einem ganz anderen Kundenprojekt entstanden und war daher nur ein Zufallsprodukt.“ | Foto: RS Verlag

BLOGISTIC.NET: Herr Baumgartner, als Sie mich wegen des Themas Augmented Realitiy anriefen, war ich erst einmal ziemlich elektrisiert, denn gerade in der Logistik-Branche wird über dieses Thema zwar viel gesprochen, eine brauchbare Lösung, die über die Projektphase hinaus geht, habe ich bis heute jedoch noch nicht gesehen, insbesondere nicht in Österreich. Sie sind sozusagen das erste Unternehmen in der Alpenrepublik, das mit einem marktreifen Produkt raus geht….

Baumgartner: Wirklich? Dabei ist das Thema doch in aller Munde.

BLOGISTIC.NET: Das stimmt schon, aber wirklich Brauchbares aus Österreich ist bis jetzt noch nicht auf dem Markt. Wie kam es dazu?

Baumgartner: Eigentlich ist die Sache mit Augmented Reality aus einem ganz anderen Kundenprojekt entstanden und war daher nur ein Zufallsprodukt.

BLOGISTIC.NET: Spannend! Worum ging es dabei?

Baumgartner: Ursprünglich wollten wir QR-Codes von 4×4 mm Größe mit einem Smartphone lesen. Das war der Ausgangspunkt. Das Problem ist, dass man mit Smartphones keine solcher Codes vernünftig lesen kann, die kleiner als 8×8 mm groß sind. Wir wollten den QR-Code dann mit unterschiedlichen Informationen verheiraten. Wir haben uns daher daran gemacht, etwas zu entwickeln, wo es uns gelingt, kleine Codes zu lesen, bei dem der Leseabstand zum Code halbwegs vernünftig ist. So hat das alles angefangen.

BLOGISTIC.NET: Wie sind Sie dann aber dann auf AR-Lösungen gekommen?

Baumgartner: Das war dann eigentlich eine Initiative unserer Entwickler. Die haben auch in ihrem Netzwerk das Startup gefunden, welches einen für uns adäquaten Lösungsansatz entwickelt hat. Und so ging das Eine in das Nächste über.

BLOGISTIC.NET: Wohin geht die Reise mit Augmented Reality?

Baumgartner: Ich habe mir das in den USA genau angesehen. Dort ist AR eigentlich nur ein Punkt von vielen, im Rahmen eines großen Ganzen. Auch wir haben bei der Entwicklung unserer Lösung festgestellt, dass AR für sich alleine in der Industrie oder in der Logistik nicht funktioniert, sondern nur in Kombination mit unterschiedlichen anderen Programmen wie Datenbanken, Texterkennungssystemen, Scannern, Bilderkennungssystemen usw. Es geht bei AR-Industrielösungen also darum, diese unterschiedlichen Systeme und Lösungen miteinander auf einer Plattform zu verheiraten. Das macht unsere Lösung.

BLOGISTIC.NET: Was ist der Kundennutzen solcher Systeme?

Baumgartner: Das Generieren von Kundendaten, Kaufverhalten, Bewegungsdaten, die sichere Rückverfolgbarkeit der Waren, Fälschungssicherheit wie etwa fälschungssichere Daten beispielsweise in Bezug auf die Produkte etc. Unser System erkennt nämlich genau, ob es sich auch um das Originalprodukt handelt oder nicht. Es erkennt aber auch, ob ein Produkt, das für einen bestimmten Markt produziert wurde, auch dort auf den Markt kommt und nicht woanders.

Jürgen Baumgartner – AR-Interview #2
J. Baumgartner: „Sie können einen Kundennutzen mit AR nur dann generieren, wenn die AR-Applikation beim Kunden liegt und Sie ein geschlossenes System haben.“ | Foto: RS Verlag

BLOGISTIC.NET: Wie meinen Sie das?

Baumgartner: Ein Unternehmen produziert beispielsweise für den russischen Markt ein Produkt. Aufgrund des Verfalls des Rubels kann es sein, dass dieses in Russland sehr günstig zu erstehen ist und man es dort einkaufen und sehr gewinnbringend auf einem anderen Markt verkaufen kann. Mit unserem System hat der Hersteller, der ja will, dass man bei ihm einkauft, genau die Kontrolle darüber, dass dies genau nicht passiert. Ein weiteres Beispiel: Ein Maschinenbauteil, das fälschungssicher gekennzeichnet ist, wird versendet. Dieses kann nun auf seiner gesamten Reise vom Hersteller bis zum Endempfänger getrackt werden. Gleichzeitig bekommt der Monteur, der dieses Bauteil einzubauen hat, nun direkt vor Ort sämtliche Wartungsinformationen auf sein Tablett übermittelt, wenn er den QR-Code oder das Bauteil scannt. Das können Informationen darüber sein, welche Werkzeuge zum Einbau eingesetzt werden müssen, wo und wie das Teil exakt einzubauen ist etc.

BLOGISTIC.NET: So lassen sich rasche Informationsflüsse für die ganzen Welt aufbauen und diese auch steuern.

Baumgartner: Richtig! Und diese Informationen können auch in den verschiedensten Sprachen verfasst sein. Unser AR-System überwindet so sämtliche Sprachbarrieren. Auf diese Weise können Unternehmen etwa aus Österreich auch einen rumänischen Monteur beauftragen. Mit anderen Worten: Der Anwender kann mit unserer Lösung sämtliche Infos steuern und behält die komplette Kontrolle des gesamten Informationsflusses, und zwar in beide Richtungen: Von der Zentrale zum Zielort und vom Zielort in die Zentrale. Das spart enorme Kosten und macht Unternehmen sehr flexibel.

BLOGISTIC.NET: Apropos „fälschungssichere Etiketten“. Wo bekommt man diese her?

Baumgartner: Solche Etiketten sind auch Teil unserer AR-Lösung.

BLOGISTIC.NET: Was kann man mit den generierten Daten noch anfangen?

Baumgartner: Man kann ein zielgenaueres und käuferadäquates Marketing aufbauen. Allerdings muss man an dieser Stelle erwähnen, dass das lukrieren der genannten Benefits nur möglich ist, wenn die Daten in einem geschlossenen System generiert werden können d.h. die Daten, die etwa durch den Scanvorgang generiert werden, müssen im System bleiben, um richtig verarbeitet werden zu können.

BLOGISTIC.NET: Warum?

Baumgartner: Sonst gelingt Ihnen die sinnvolle Verheiratung der Daten aus verschiedenen Quellen nicht und sie können auch nicht die Daten sinnvoll interpretieren. Bei uns sind das zum Beispiel durch einen Scanvorgang eingelesene QR-Codes, Bilddaten durch eine Kamera, aber auch Daten, welche Devices wie Smartphones, Tablets etc. selbst generieren. Andererseits könnte das System dann auch keine AR-Verknüpfungen herstellen, d.h. die visualisierte Verknüpfung der Daten auf einem Smartphone, Tablet oder was auch immer wäre nicht möglich.

BLOGISTIC.NET: Vielen Dank für das spannende Gespräch.

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